Schulname Robert Lansemann

 

 

Dr. Robert Lansemann

 

Seit dem 02.09.2011 trägt die Ev. Grundschule mit schulartunabhängiger Orientierungsstufe den Namen Evangelische Schule Robert Lansemann“.

Wir ehren damit nicht nur einen Sohn der Hansestadt Wismar, sondern einen Christen, der durch sein Handeln Kindern und Erwachsenen ein Vorbild sein kann.

Robert Lansemann wurde am 24. Juli 1908 geboren. Er entstammte einer mecklenburgischen Juristen- und Theologenfamilie. Sein Vater Hans war Rechtsanwalt in Wismar. 1927 legte er sein Abitur an der Großen Stadtschule ab, seine Abiturarbeiten sind heute im Stadtarchiv der Hansestadt einsehbar.

Robert Lansemann promovierte mit „summa cum laude“ in Münster. 1936 kam er als Vikar an die Wismarer Nikolaikirche. Er wurde für den Dienst in der Gemeinde von der Bekennenden Kirche ordiniert.

Die Bekennende Kirche grenzte sich im Gegensatz zu den Deutschen Christen entschieden von der Ideologie der Nationalsozialisten ab. 1937 wurde Dr. Lansemann mit der Aufgabe betraut, die bekennenden Christen in Wismar zu bündeln. Das stieß in Wismar auf Kritik. Mehrmals wurde er von der Gestapo verhört. „Er soll die ideologische Vergötzung Deutschlands infrage gestellt haben“, berichtet Pastor Markus Wiechert anlässlich seines 100. Geburtstages. Im Zuge der Auseinandersetzung zwischen den Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche kam es unter Robert Lansemann zur Herausbildung einer eigenen Gemeinde in Heiligen Geist, der wir als Schule angehören.

Ab 1945 wirkte Pastor Lansemann zunehmend diakonisch. Er half Flüchtlingsfamilien, unterstützte Menschen bei der Suche nach verschollenen Soldaten und kümmerte sich intensiv um die Kinder und Jugendlichen, die auf den Kriegstrümmern spielten.

Die Kinderkirche wurde wiederbelebt und die Konfirmandenarbeit zu einem Raum für freies Denken und gelebten Glauben. Viele Konfirmanden berichten noch heute von einer Zeit intensivsten Miteinanders und Vertrauens. Glaube und Bildung wurden zu einer Einheit. „Aus der Kraft seines Glaubens trat er später auch gegen das neue Unrechtsregime nach Ende des Krieges auf. Mutig prangerte er die Zerstörung der Volkskirche in der DDR an.“

1950 folgte die Verhaftung durch die Staatssicherheit nach einem zwölfstündigen Verhör. Seit seiner Verhaftung gab es kein Lebenszeichen mehr. Nachfragen seiner heute in Potsdam lebenden Frau Ellen wurden irreführend beantwortet. Erneute Nachforschungen nach der Wende ergaben, dass Dr. Robert Lansemann am 19. April 1951 im NKWD-Gefängnis *) am Demmlerplatz in Schwerin umkam. Als Todesursache wird der Entzug von Medikamenten vermutet.

Ein Grab gibt es nicht. Auf dem Wismarer Friedhof steht seit 1998 ein Gedenkstein für den engagierten Christen.

Seine Glaubensüberzeugung und sein Engagement für Kinder und Jugendliche leben an unserer Schule weiter.

 

Gabriele Seemann

 

Quellen:

1. Würdigungstext zum 100. Geburtstag von Pastor Lansemann durch Pastor Markus Wiechert

27. Juli 2008

2 Zeitungsbericht Ostseezeitung vom 26. Juli 2001 von Norbert Wiaterek

3. Interview mit dem Leiter des Stadtarchivs Herrn Giese 2011

Glossar:

NKWD: Gebräuchliche Abkürzung für das Innenministerium der früheren Sowjetunion

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